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by Sandra Evans

Was haben der Kölner Karneval und eine Universität in Bremen gemeinsam? Nichts – außer, dass sie zu außergewöhnlichen Ideen inspiriert haben. Und davon haben bereits viele Migranten in Deutschland profitiert. Erfolgreiche Integration mal ganz anders.

Diana Altun weiß noch genau, wie ihr erstes Universitätssemester war: „Ich habe mich ziemlich hilflos und orientierungslos gefühlt.“ Viele Universitäten bieten deshalb Tutorenprogramme an. Tutoren sind Studierende, die schon länger an der Universität studieren. Sie helfen den neuen Studierenden bei allen Fragen rund um die Universität.

Diese Tutorenprogramme haben Diana Altun ein paar Jahre später inspiriert. Mit nur 24 Jahren hat sie  - während eines Praktikums - ein ähnliches Programm entwickelt: „Wenn man in einem neuen Land lebt, fühlt man sich oft genauso orientierungslos und braucht Hilfe.“ Altuns Programm ist für Migranten in Deutschland. Es nennt sich memi, kurz für Mentoren für Migranten. Die Idee: Deutsche Familien unterstützen ausländische Familien, die neu in Deutschland sind. Das heißt, sie helfen den Einwanderern bei Fragen rund um das Leben in Deutschland. Das Programm hat für beide Familien viele Vorteile: Die Migranten lernen die deutsche Kultur und Mentalität besser kennen. Außerdem können sie ihre deutschen Sprachkenntnisse trainieren. Und die deutsche Familie lernt durch memi Menschen einer anderen Kultur kennen. Ziel von memi ist, dass echte Freundschaften zwischen den Migranten und ihren Mentoren entstehen.

Auch der Karneval in Köln hat zu einem außergewöhnlichen Integrationsprojekt inspiriert. Die Kölner lieben Karneval und feiern ihn jedes Jahr ganz groß. Zu jedem Karneval gibt es dann auch so genannte „Karnevalssitzungen“. Dabei machen sich Kölner Bürgerinnen und Bürger zum Beispiel über Politiker/-innen lustig. Das Problem: Sie sprechen dabei meistens „Kölsch“, den Kölner Dialekt. Und wer kein Kölsch versteht, der versteht auch die Witze nicht. Eine Gruppe von Migranten wollte das ändern. (Übrigens: In Köln gilt jede Person als Migrant, die nicht dort geboren wurde. Das heißt, es gibt auch deutsche „Migranten“ in Köln.) Sie gründete das Immigrantenstadl: Eine Karnvalssitzung von Migranten für Migranten. Mit viel Humor macht die Gruppe Witze über kulturelle Unterschiede und Facetten. Diese sind oft sehr unverblümt, jedoch nie beleidigend.

Ein Beispiel: Worin liegt der Unterschied zwischen deutschen und türkischen Einbrechern? Ein deutsch-türkischer Komiker vom Immigrantenstadl weiß die Antwort: Der türkische Einbrecher schleicht ins Haus und nimmt den Fernseher heimlich mit. Der deutsche Einbrecher klingelt, sagt „Guten Tag“, nimmt den Fernseher und legt eine Quittung auf den Tisch.

Die Theatergruppe ist ein lustiger Mix unterschiedlichster Kulturen. Zwischen vielen Mitgliedern der Gruppe sind im Laufe der Zeit feste Freundschaften entstanden.

Dank kreativer Projekte wie Immigrantenstadl und memi finden viele Migranten in Deutschland Freunde fürs Leben. Das fremde Land wird für sie auf diese Weise schnell zu einer zweiten Heimat.

by Sandra Evans