Engagement für eine bessere Welt
Zivilgesellschaft, Bürgerarbeit, Ehrenamt: Ein Drittel der Bürger in Deutschland engagiert sich mit Zeit, Ideen, Mitgefühl und Geld für die Gesellschaft.

Foto: Christel Kovermann / terre des hommes
Esther Engraf, Studentin der Sozialarbeit in Osnabrück, ist erst 22, hat aber schon eine Menge Erfahrungen in der Arbeit mit Kindern gesammelt. Seit 2008 arbeitet sie ehrenamtlich für Terre des Hommes Deutschland. unter anderem hat sie dabei geholfen, ein Festival für Kinderrechte zu organisieren. Ihr Engagement bei der Kinderschutzorganisation (www.tdh.de) hat ihr deutlich gemacht, „wie viel Kinder leisten und erreichen können, indem man sie unterstützt, ohne ihnen dabei zu viele Vorschriften zu machen“.
Esther ist eine von 23 Millionen Menschen in Deutschland, die sich ehrenamtlich engagieren, z.B. im sozialen Bereich, im Umweltschutz, in Nichtregierungsorganisationen oder in Interessengruppen. Sie arbeiten unentgeltlich - weil sie etwas verändern wollen, weil sie etwas Sinnvolles unterstützen möchten oder weil sie einfach Spaß haben an dem, was sie tun. Die meisten von ihnen setzen sich in den Bereichen Sport, Vereine, Kinder- und Jugendarbeit sowie Kirche ein. Man kann feststellen, dass sich Menschen mit höherem Bildungsgrad häufiger engagieren als schlechter Ausgebildete. Besonders junge Akademiker, Studierende und junge Berufstätige, treten überdurchschnittlich oft für die gute Sache ein. Sie tun dies jedoch nicht immer aus reiner Nächstenliebe, sondern auch, um Vorteile bei der Arbeitssuche zu haben. Denn immer mehr Arbeitgeber legen Wert auf soziale Kompetenzen und ein Ehrenamt im Lebenslauf macht einen guten Eindruck.
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In den letzten Jahren hat sich die Form der Bürgerarbeit verändert: „Das Engagement hat zugenommen“, stellt Rupert Graf Strachwitz, Direktor des Maecenata Instituts für Philanthropie und Zivilgesellschaft in Berlin, fest. Allerdings sind die Leute jetzt mehr in kleinen, jungen, selbstorganisierten Gruppen tätig. Denn hier können sie direkter, hierarchiefreier mitgestalten als in den großen alten Verbänden. Außerdem setzen sich die Menschen eher für wechselnde Projekte ein als für ein und dieselbe Organisation.
So kümmert sich z. B. Ullrich Schrott als Mitarbeiter des Kinderhospizdienstes in Unna in seiner Freizeit um die Geschwister eines todkranken Kindes. Edith
Schulz übt mit Migrantenkindern einer Grundschule in Frankfurt am Main jede Woche Lesen.
Viele sehen im bürgerschaftlichen Engagement ein zentrales Element einer demokratischen Gesellschaft. Andere befürchten, dass durch starke private Initiativen der Staat von sozialen Aufgaben zu sehr entlastet wird. Man könnte sogar fragen: Je mehr ehrenamtliches Engagement, desto weniger Sozialstaat?