Schlechte Zeiten?
Talfahrten an der Börse, Großunternehmen, die Bankrott gehen – die Zeitungen sind derzeit voll von schlechten Nachrichten. Ein neues Unternehmen gründen in diesen Zeiten? Undenkbar! Oder vielleicht doch nicht? Junge Unternehmer beweisen, dass es möglich ist. Ihre Devise: Kreativ durch die Krise!
 Daniel Kayser und Thomas Schaller
Daniel Kayser und Thomas Schaller haben es geschafft: Im Januar 2009 eröffneten sie das Kamin Restaurant in Mainz. Bis zur Eröffnung hatten sie bereits viel Geld in ihr Unternehmen investiert: Die Renovierung des Studenten-Restaurants war aufwändig; Getränke und Lebensmittel sind kostspielig. Trotzdem schulden sie keiner Bank Geld. Wie ist das möglich? Haben sie etwa im Lotto gewonn
< Links gibt es Übungen mit Lösungen zum Artikel (PDF-Files)
Nein - aber sie haben private Ersparnisse investiert. Und sie haben ein großes soziales Netzwerk. Beides zusammen führte sie zum Ziel: Sie investierten ausschließlich Geld, das schon da war. Von Freunden und Bekannten erhielten sie außerdem unglaublich viel Unterstützung. Egal ob Maler, Schreiner oder Tontechniker –alle halfen tatkräftig mit. Die beiden 27-Jährigen Jungunternehmer sind sehr dankbar dafür. Wahrscheinlich hatte die Finanzkrise für sie sogar einen positiven Effekt: In besseren Zeiten wären sie vielleicht den „normalen“ Weg gegangen: Sie hätten einen Bankkredit aufgenommen und Investitionshilfen durch eine Brauerei akzeptiert. Das heißt, in besseren Zeiten hätten sie jetzt wahrscheinlich Schulden. „Wir sind in der glücklichen Position, absolut unabhängig zu sein“, sagt Thomas Schaller. „Viele Brauereien helfen nur anfangs aus und verlangen dann immer höhere Verkaufsvolumen. Es gibt einige Gastronomiebetriebe, die auf diese Weise pleite gegangen sind.“ Doch natürlich macht sich die Finanzkrise in vielen Bereichen negativ bemerkbar: Alkan Aykan, 21-Jähriger Student für Musikproduktion, kann dies jeden Tag in der Bäckerei seiner Familie beobachten: „Anstatt hier eine Tasse Kaffee zu trinken, kommen viele Leute gar nicht mehr“, sagt er. „Oder sie kaufen eine Brezel statt eines teuren Sandwichs.“ Auch die Studentin Franziska Schiessl, die nebenbei als Bedienung jobbt, erlebt es jeden Tag deutlich: Inzwischen kann sie froh sein, wenn sie sieben Prozent Trinkgeld bekommt. Denn beim Trinkgeld sparen die Leute immer mehr. Trotzdem fühlen sich die meisten Studierenden bis jetzt nicht direkt von der Krise betroffen: „Ich hatte sowieso kein Geld und konnte deshalb auch nichts verlieren“, sagt Alkan Aykan. Die Hauptsorge der Hochschul-Absolventen ist im Moment vor allem die Arbeitssituation. Aus diesem Grund verlängern viele Studierende ihr Studium, zum Beispiel durch eine Promotion. Denn in der Arbeitslosigkeit möchte natürlich niemand enden. Doch nicht nur feste Arbeitsstellen, auch Studentenjobs gibt es immer weniger. Laut „jobcafe.de“ (ein Münchner Online-Portal für Studentenjobs) kommen im Moment vier Jobsuchende auf ein Jobangebot. Dies ist ein Anstieg von 30 Prozent innerhalb eines Jahres. Franziska Schiessl sieht die Krise trotzdem gelassen: „Ich habe mir noch nie Gedanken darüber gemacht, was ich tun sollte.“, sagt sie. „Und genau das sehe ich als Vorteil.“ Sie glaubt fest daran, dass sie ihr Interesse an ungewöhnlichen Hobbys irgendwann positiv nutzen kann: sowohl beruflich als auch privat. Der beste Beweis dafür wäre Pascal Prehn. Der 31-Jährige machte sein liebstes Hobby zum Beruf und gründete SNEAKERS – ein Magazin über die Kultur, die hinter den Lifestyle-Sportschuhen steckt. Das erste Magazin erschien im Januar 2009 in 600 Sneaker-Läden. In Deutschland gibt es kein anderes Magazin dieser Art. Prehn hat diese Marktlücke erfolgreich geschlossen – trotz der Finanzkrise.
Erfolgsgeschichten dieser Art geben Hoffnung: Mit kreativen Ideen, Energie und Mut kommt man sogar in schlechten Zeiten ans Ziel.
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