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In zwei Welten
Die beiden Sportler Nikolay Sazhin aus Russland und Frank Stoldt aus Berlin steigen in den Boxring. 1000 Zuschauer verfolgen sie dabei gespannt. Die Gegner beginnen ihren Wettkampf – doch nicht mit den Fäusten, sondern mit Spielfiguren. Sie setzen sich an einen Tisch und spielen Schach. Das Spiel dauert nur vier Minuten. Dann ziehen sich die Wettkämpfer ihre Boxhandschuhe über: Ein klassischer Boxkampf beginnt. Drei Minuten später beugen sie sich schon wieder über das Schachbrett; vier Minuten danach kämpfen sie wieder mit den Fäusten gegeneinander. Nach mehreren Runden Schachspiel und Boxkampf besiegt Sazhin den Berliner Stoldt. Sazhin ist nun amtierender Weltmeister in einer sehr außergewöhnlichen Sportart: dem Schachboxen.
 Chess pieces. Flickr(cc) user: slayer23.
Es klingt nach einem verrückten Nischen-Sport. Doch Schachboxen etabliert sich weltweit immer mehr. „In keiner anderen Sportart kann man so unterschiedliche Fertigkeiten entwickeln“, meint Sazhin. Denn Schachboxer müssen in hohem Tempo zwischen körperlichen und geistigen Attacken wechseln können. Diesen extremen Rollenwechsel findet Sazhin am Schachboxen so fesselnd. Vom aggressiven Boxkämpfer zum beherrschten Schachspieler und umgekehrt – das verlangt viel „Aggressionsmanagement“ (World Chess Boxing Organisation, Berlin). Wenn Nikolay Sazhin zum Schachboxen in den Ring steigt, lebt er in zwei verschiedenen Welten – und er genießt diese Herausforderung.
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Daria Dayter ist keine Schachboxerin. Doch auch sie lebt zurzeit in „zwei Welten“. Die 22-Jährige Studentin aus Russland studiert seit einem halben Jahr in Bayreuth. Hier möchte sie ihr Studium der Englischen Philologie mit einem Magister Artium (Master’s Degree) abschließen.
Während ihrer ersten Zeit in Bayreuth entdeckte sie etwas Unerwartetes: Ein so genanntes „Russisches Viertel“ mitten in der Stadt. „Das russische Viertel ist wie eine andere Welt: Die Leute grüßen auf Russisch, und man kann hier russische Lebensmittel und Bücher kaufen.“ Dayter könnte also theoretisch ein „russisches“ Leben in Bayreuth führen. Doch das möchte sie nicht: „Ich bin nur für zwei Jahre in Deutschland. Ich möchte diese Zeit nicht nur mit russischen Landsleuten verbringen.“ Der enge Kontakt mit Russland und ihren russischen Freunden ist ihr zwar wichtig. Doch die meiste Zeit verbringt sie in Bayreuth mit deutschen Freunden: „Ich möchte das wirkliche Leben hier kennenlernen und nicht in einer Schein-Realität leben“, sagt sie.
Trotzdem ist sie dankbar für das russische Viertel in Bayreuth. Sie glaubt, dass es vielen russischen Migranten eine Stütze bietet - vor allem für die erste Zeit im fremden Deutschland. Denn auch Dayter fand ihre Anfangszeit in Deutschland nicht einfach: „Die ersten paar Wochen waren wirklich hart für mich. Ich konnte nicht einmal etwas zu Trinken in einem Restaurant bestellen.“ Inzwischen fühlt sich Dayter aber sehr wohl in Deutschland. Sie betrachtet ihre Erfahrungen in Deutschland als Bereicherung. Was sie nach ihrem Magisterabschluss tun wird, weiß sie noch nicht: „Ich überlege, ob ich in Deutschland promovieren soll - oder vielleicht doch in St. Petersburg?“
Sie hat ja die Wahl. Denn sie fühlt sich inzwischen in beiden Ländern zu Hause.
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